Auftragswerk

Auftragswerk - „Selbstbildnis Angelika Kauffmann mit Büste der Minerva"  (1780–1781) für medampuls - Mils/Tirol.
Individuell als Einzelwerk überarbeitet laut Kundenwunsch, Briefing - Mail/Telefon.
Idee, Komposition und Fertigung.

Größe: 200 x 150 cm
Material: Fineart Print auf Aluminium-Dibond matt

Danke Petra & Clemens!

Transformation eines Hochformatbildes in ein Querformat

Angelika Kauffmanns „Selbstbildnis mit Büste der Minerva" aus den Jahren 1780–1781 stellt ein herausragendes Beispiel spätbarocker Porträtkunst dar, das durch seine formale Komposition und symbolische Bildsprache besticht. Die vorliegende Überarbeitung des Werkes verfolgt das Ziel, das ursprünglich im Hochformat konzipierte Gemälde in ein Querformat zu transformieren, wobei sowohl formale als auch inhaltliche Herausforderungen zu bewältigen waren.
Im Folgenden wird der Bildaufbau hinsichtlich Figur und Grund besprochen, gefolgt von einer Analyse zu Farbkontrasten und der Integration von Symbolen, die in der Komposition neue Bedeutungsdimensionen eröffnen.

Herausforderung und Herangehensweise
Das originale Hochformat des Selbstbildnisses zentriert die Künstlerin zusammen mit der Büste der Minerva in einem kompakten Bildraum, der eine unmittelbare Fokussierung auf das Sujet ermöglicht. Die Erweiterung in ein Querformat verlangt eine großzügige Neuordnung des Bildraumes, um Leere zu vermeiden und gleichzeitig eine harmonische Balance zwischen Figur und Hintergrund herzustellen. Dabei gilt es, die Präsenz der Hauptfigur – Angelika Kauffmann selbst – zu bewahren, während neue Bildräume neben ihr entstehen, die narrativ und symbolisch ergänzt werden.

In der Überarbeitung wird die Künstlerin zentral gehalten, doch die Umgebung wird maßgeblich erweitert. Die linke Bildhälfte ist durch ein kleines Stück Rasen gekennzeichnet, das mittels Aquarelltechnik und Decollage eine texturale Tiefe erlangt, während die rechte Seite vom Buch ausgeht, welches Kauffmann in der Hand hält. Diese asymmetrische Anordnung schafft eine dynamische Spannung, die zugleich den Dialog zwischen der Künstlerin und ihren Inspirationsquellen sowie ihrer inneren Welt sichtbar macht.

Figur und Grund im neuen Kontext

Die Präsenz des Porträts, bildet das Bindeglied zwischen den neuen Elementen auf der linken und rechten Bildhälfte. Die Gestaltung des Bildgrundes nutzt warme Erdtöne als verbindendes Farbschema, das sowohl Natürlichkeit als auch Bodenständigkeit suggeriert. Der natürliche Farbton des Rasens links kontrastiert mit den vielfältigen Collagenfragmenten rechts, erzeugt eine visuelle Zweiteilung, ohne die Ganzheit der Komposition zu gefährden.

Der Bildgrund dient nicht nur als Hintergrund, sondern wird durch die eingefügten Elemente zu einem aktiven Träger narrativer und symbolischer Inhalte: Die linke Seite mit Wasserfarben, decollagierten Papierstücken, Makroaufnahmen von Plakaten sowie abstrakten Formen (Doppelhelix, Kreise, Spiralen, Kreuze und Waage) steht für Wissenschaft, Natur und Ordnung. Die rechte Seite dagegen lädt mit der Collage aus Abrissen, fliegenden Fragmenten aus dem Buch und der symbolischen Figur der Mutter Erde zu einer eher intuitiven, mythologischen Deutung ein.

Farbkontraste: Hell-Dunkel und Komplementär

Ein zentrales gestalterisches Mittel in der Überarbeitung bildet der gezielte Einsatz von Farbkontrasten. In der Komposition sind vor allem Hell-Dunkel-Kontraste wirksam eingesetzt, um die Tiefenstaffelung zu verstärken und die Aufmerksamkeit auf zentrale Bilddetails zu lenken. Die Figur wird durch leuchtendere Töne hervorgehoben, während der Bildgrund überwiegend in gedeckten Farben gehalten ist.

Besonderes Augenmerk verdient der Komplementärkontrast zwischen Rot und Grün, der sich klar in der Bildhälfte manifestiert: Rechts dominieren warme, rötliche Töne, die energetische und kreative Aspekte symbolisieren; links hingegen dominiert Grün als Farbe der Natur, des Wachstums und der Rationalität. Diese Gegenüberstellung erzeugt nicht nur visuelle Spannung, sondern entfaltet auch eine metaphorische Bedeutungsebene, die das Spannungsfeld zwischen Verstand und Gefühl, Konstruktion und Intuition reflektiert.

Symbolik und ihre Integration
Die eingefügten Symbole erweitern die Bildsprache der ursprünglichen Arbeit erheblich und eröffnen multidimensionale Interpretationsmöglichkeiten. Links unten befindet sich ein kleiner Rasenschnitt, der als Fragment der lebendigen Natur fungiert und mit Decollage-Techniken kontrastiert wurde, welche die Fragilität und Vergänglichkeit betonen. Die Mikroaufnahme eines Plakats sowie geometrische Formen wie Doppelhelix, Kreise, Spiralen und Kreuze verweisen auf Wissenschaft, Biologie und die Suche nach universellem Wissen. Die Waage als klassisches Symbol für Ausgewogenheit und Gerechtigkeit setzt ethische Akzente.

Die rechte Bildseite nimmt Bezug auf die Inspiration und die museale Dimension der Künstlerin: Das Buch, das Kauffmann hält, nimmt eine zentrale Rolle ein und ist Ausgangspunkt einer Collage aus Abrissen und fliegenden Fragmenten, die für kreative Gedankenströme und künstlerische Impulse stehen. Über dem Buch schwebt die symbolische Figur der Mutter Erde, ein Archetypus für Fruchtbarkeit und Ursprung. Ergänzt wird diese Szenerie durch Spiralen – Zeichen zyklischer Entwicklung – und ein altes medizinisches Abhörgerät, das für historische Wissenserschließung oder Beobachtung steht. Die Büste der Minerva, Göttin der Weisheit und Kunst, fungiert als Leitmotiv und thematischer Anker, der die Verbindung von Kunst, Wissenschaft und Mythos herstellt.

Fazit

Die Überführung von Angelika Kauffmanns „Selbstbildnis mit Büste der Minerva" aus einem Hoch- in ein Querformat gelingt durch eine durchdachte Neukomposition, die sowohl den Charakter der Originalkomposition wahrt als auch neue erzählerische Ebenen integriert. Durch den gezielten Einsatz von Farb- und Formkontrasten sowie die Einbindung komplexer Symbolik entsteht ein vielschichtiges Bild, das die Künstlerin als Vermittlerin zwischen wissenschaftlichem Erkenntnisstreben, künstlerischer Kreativität und naturverbundener Philosophie darstellt.

Diese Arbeit zeigt exemplarisch, wie eine Bildüberarbeitung nicht nur technische Umgestaltung bedeutet, sondern auch zu einer Erweiterung der ästhetischen und inhaltlichen Aussagekraft führen kann – ganz im Sinne einer zeitgenössischen Rezeption historischer Kunstwerke.

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Verve