don't stop believin

Auftragswerk "don't stop believin" für WIS-Schadensmanagement Salzburg.
Unikat, Einzelwerk. Idee, Komposition und Fertigung.

Material: Fineart Print hinter Acrylglas, kaschiert auf Aluminium-Dibond.
Größe: 150 × 100 cm

Danke Roland!

Zwischen Tradition und Transformation
Gustav Jahns Salzburgansicht als zeitgenössische Bildlandschaft - Überarbeitung und
künstlerische Intention

Das vorliegende Werk basiert auf Gustav Jahns Darstellung Salzburgs vom Kapuzinerberg aus dem Jahr 1909. Die historische Vorlage wird jedoch nicht lediglich reproduziert, sondern einer umfassenden zeitgenössischen Transformation unterzogen. Durch die Verbindung von Malerei, grafischen Zeichen, Collage, textilen Elementen und populärkulturellen Referenzen entsteht ein vielschichtiges Gesamtwerk, das zwischen Landschaftsdarstellung, urbaner Bildsprache und gesellschaftlicher Reflexion vermittelt. Die ursprüngliche Ansicht Salzburgs bildet dabei den konzeptuellen und kompositorischen Ausgangspunkt, wird jedoch durch die Überlagerung verschiedener Stile und Techniken in eine neue visuelle Ordnung überführt.

RGB

Eine zentrale Bedeutung kommt der intensiven Auseinandersetzung mit den Grundtönen Rot, Grün und Blau zu. Diese Farben strukturieren die Bildfläche und erzeugen zugleich starke Kontraste. Rot tritt als signalhafte, dynamische Farbe hervor; es verweist auf Energie, Handlung und emotionale Verdichtung. Grün steht in Verbindung mit Natur, Landschaft und Wachstum, während Blau räumliche Tiefe, Distanz und atmosphärische Weite vermittelt. Die drei Grundtöne erscheinen dabei nicht isoliert, sondern in vielfältigen Mischungen, Überlagerungen und Brechungen. Dadurch entsteht eine farbliche Spannung, die sowohl die historische Landschaft als auch ihre gegenwärtige Neuinterpretation prägt.

Details I

Links neben dem Untersberg ist ein Goldregen zu erkennen. Dieses Motiv besitzt eine doppelte Funktion: Einerseits erweitert es die Landschaft um ein florales und beinahe poetisches Element, andererseits stellt es durch seine leuchtende Farbigkeit einen deutlichen Akzent innerhalb der Komposition dar. Unterhalb des Goldregens erscheint eine Wellenstruktur, die nicht nur als Naturmotiv, sondern auch als abstraktes Zeichen gelesen werden kann. In unmittelbarer Verbindung dazu steht das neue Logo der Firma WIS. Die Einbindung dieses Logos verknüpft den historischen Bildraum mit einer gegenwärtigen wirtschaftlichen und institutionellen Realität, die in Salzburg verwurzelt ist.

Details II

Unterhalb des Logos und noch im Bereich des Berges gehen die Wellenstrukturen in Fragmente von Graffiti über. Diese Übergänge sind besonders charakteristisch für die Arbeitsweise des Werkes: Unterschiedliche visuelle Systeme werden nicht voneinander getrennt, sondern ineinander überführt. Die Landschaft erscheint dadurch als ein Raum, in dem sich Natur, urbane Kommunikation, Werbung und individuelle Markierungen überschneiden. Graffiti steht hier für Aneignung, spontane Äußerung und eine demokratische Form der Bildproduktion. Die historische Landschaft wird somit nicht als abgeschlossene Vergangenheit präsentiert, sondern als ein lebendiger, von unterschiedlichen Stimmen geprägter Bildraum.

Details III

Eine weitere markante Figur ist Donald Duck, der in Anlehnung an Andy Warhols Werk The New Spirit eingesetzt wird. Die Figur besitzt einen hohen Wiedererkennungswert und verweist auf die visuelle Kultur der Massenmedien. Zugleich übernimmt sie im vorliegenden Zusammenhang eine symbolische Funktion mit der Marke WIS: Mit einem Besen bewaffnet, steht Donald Duck für den Arbeitsauftrag und dessen praktische Umsetzung. Das Aufräumen kann dabei sowohl wörtlich als auch metaphorisch als Auftrag verstanden werden. Es geht um die Ordnung und Bearbeitung eines komplexen Aufgabenfeldes, zugleich aber auch um die Auseinandersetzung mit überlieferten Bildmustern, kulturellen Versatzstücken und gesellschaftlichen Erwartungen. Die humorvolle Figur kontrastiert die Ernsthaftigkeit dieses Prozesses und verleiht dem Werk eine ironische Ebene.

Pastos aufgetragene Farbschichten verdichten die Oberfläche und verleihen ihr eine körperliche, beinahe reliefartige Qualität. Diese Farbaufträge gehen in den lautmalerischen Ausruf „BAM“ über. Das Wort fungiert als grafisches und akustisches Signal. Es unterbricht den kontinuierlichen Bildfluss und erzeugt einen Moment der unmittelbaren Aufmerksamkeit. In seiner Anlehnung an die Bildsprache von Comics verweist „BAM“ zugleich auf Popkultur, Bewegung und plötzliche Ereignishaftigkeit. Der Schriftzug wird damit nicht nur zum Inhalt, sondern auch zu einem eigenständigen formalen Bestandteil der Komposition. BAM kann auch als die Ursache des Auftrags an WIS gelesen werden.

Am Berg verflüssigen sich unterschiedliche Stile. Spachteltechniken, Aquarellfarben und Collageelemente treten miteinander in Beziehung. Papier und Textilien erweitern die Malerei mit materiellen Qualitäten. Besonders die traditionellen Stickereien bilden einen spannenden Gegensatz zu den Graffiti-Fragmenten, den Pop-Art-Bezügen und den modernen grafischen Zeichen. Tradition und Gegenwart werden dadurch nicht als Gegensätze behandelt, sondern als gleichwertige und miteinander kommunizierende Formen kultureller Erinnerung.

Am unteren Bildrand verdichtet sich die Zeichenhaftigkeit nochmals. Tags mit Sprühfarbe, gemalte Konstruktionsstrukturen, ein Notenschlüssel und ein rotes Dreieck bilden ein heterogenes Ensemble. Die Konstruktionsmotive können auf Planung, Aufbau und technische Ordnung verweisen, während der Notenschlüssel eine akustische oder rhythmische Dimension in das Bild einführt, das auf Salzburg bezugnimmt, aber durchaus auch die durchkomponierte Managementarbeit von WIS symbolisieren könnte. Das rote Dreieck setzt einen klaren geometrischen Akzent und wirkt zugleich wie ein Warn-, Richtungs- oder Ordnungssymbol. Ergänzt wird dieser Bereich durch archaisch anmutende Figuren, die symbolisch einen Auftrag übergeben (rechts-oben). Damit wird die Idee der Weitergabe von Verantwortung, Wissen oder Handlungsmöglichkeiten angesprochen.

Don’t Stop Believin

Ein besonderer Abschluss dieser vielschichtigen Zeichenwelt ist der Sticker mit einer Katze und der Aufschrift „Don’t Stop Believin’“. Der Sticker verbindet Alltagskultur, Popkultur (Journey) und eine motivierende Botschaft. In seiner scheinbaren Beiläufigkeit steht er für Beharrlichkeit und Hoffnung. Gleichzeitig verweist er auf die Verschmelzung von Hochkunst, Populärkultur und alltäglichen Bildmedien

Vielfalt

Insgesamt handelt es sich um ein überaus feingliedriges Werk, in dem verschiedene Themen, Techniken und Stile zu einem neuen Gesamtbild zusammengeführt werden. Die historische Salzburger Landschaft bleibt als Bezugspunkt erkennbar, wird jedoch durch die zahlreichen Überlagerungen und Eingriffe grundlegend erweitert. Das Werk besitzt dadurch eine starke visuelle Strahlkraft und lädt zu einer ausgedehnten Betrachtung ein. Das Auge kann lange über die Bildfläche wandern, Übergänge verfolgen, Details entdecken und immer neue Beziehungen zwischen Landschaft, Zeichen, Material und kulturellen Verweisen herstellen. Gerade in dieser offenen, vielschichtigen Struktur liegt die besondere Qualität der Arbeit.

Weiter
Weiter

Vielen Dank nach Wagna!